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Geologie – das Land der Kontraste

Island ist ein Land der Kontraste und Vielfalt. Hier mischen sich zauberhaft bunte Lava mit weiten Sandflächen, dazwischen rauschen Wasserfälle in die Tiefe. Nur einen Steinwurf von Reykjavík entfernt ist man bereits mitten in einem wilden, aus Lava geformtem Skulpturenpark, findet kochende Schlammlöcher und heißes Wasser im Boden, und oder talfüllende Gletscher und emporschießende Geysire.

RE04_006Geologischer Hot Spot

Auf der geologischen Zeittafel ist Island ein sehr junges Land. Seine geologische Geschichte spiegelt die Entwicklung der nordatlantischen Region seit dem Miozän (vor etwa 25 Millionen Jahren) wieder. Island ist ein kleiner Fleck auf der sich stets in Bewegung befindlichen Erdplattengrenze des Mittelatlantischen Rückens und auf der Spitze eines Hot Spots, der wahrscheinlich durch eine Spalte aus dem Erdinneren gespeist wird. Das Zentrum dieser Spalte wird in Zentralisland vermutet.

An der Grenze der beiden tektonischen Erdplatten, der eurasischen und der nordamerikanischen Platte, ist ständig Bewegung – die beiden Platten bewegen sich heute mit einer messbaren Geschwindigkeit von 19 Millimeter pro Jahr auseinander. Dieser Prozeß begann vor 150 Millionen Jahren. Da die Platten sich genau über der Spalte bewegen, entstanden durch exzessive Lavaeruptionen die Vulkane auf der Spalte. Die Plattenbewegung ist heute immer noch aktiv und begleitet von Erdbeben, der Reaktivierung von alten Vulkanen und dem Entstehen von neuen Vulkanen. Am besten kann man das Auseinanderdriften der Erdplatten im Nationalpark von Þingvellir, dem historischen Parlamentsgelände ganz in der Nähe von Reykjavík, erkennen. Hier ist die Spalte zwischen der eurasischen und der nordamerikanischen Erdplatte besonders eindrucksvoll zu sehen.

SRE06_005Vulkanische Eruptionen alle fünf Jahre

Island gehört zu den aktivsten und produktivesten vulkanischen Regionen der Erde. Pro Jahrhundert ereignen sich mehr als 20 vulkanische Vorkommnisse. Über 100 aktive Vulkane befinden sich auf der Insel, und im Durchschnitt bricht alle fünf Jahre einer von ihnen aus. Das Spektrum der Vulkantypen reicht von einfachen lavafördernden Spalten bis hin zu riesigen Stratovulkanen wie der Hekla in Südisland.

Die Isländer haben gelernt, mit Naturkatastrophen zu leben, und mit dem Risiko, daß Vulkanausbrüche zu jedem Zeitpunkt und ohne Vorwarnung stattfinden können. Der Ausbruch der Laki-Spalte im Jahr 1783 ist der größte bekannte Lavaausbruch in historischer Zeit. Enorme Mengen an Lava quollen damals aus der Spalte in Südisland und verwüsteten weite Landstriche. Neben der zerstörerischen Lava am Boden wurden auch giftige Gase und Asche in die Luft geblasen, Missernten und ein großes Viehsterben waren die Folge. Durch die anschließende Hungersnot starb ein Fünftel der isländischen Bevölkerung. Die verheerenden Auswirkungen des Ausbruchs waren auch in Europa zu spüren, die Quellen berichten von Missernten und kalten Sommern. Zum Glück für Island passieren solche Katastrophen nur sehr selten.

Der letzte größere Ausbruch ereignete sich im Jahr 1973, als ohne jede Vorwarnung an der Ostseite der Westmännerinsel Heimaey vor der Küste Südislands ein neuer Vulkan ausbrach und Teile der Stadt unter Lava begrub. Nur zehn Jahre zuvor hatte sich südlich der Westmännerinseln unter Donnergrollen, in den Himmel steigenden Feuersäulen und mächtigen Aschewolken eine neue Insel aus dem Meer erhoben. Die Insel wurde nach Surtr, dem Feuerriesen der nordischen Mythologie, Surtsey genannt. Sie ist ausschließlich für Wissenschaftler zugänglich, die dort erforschen, wie das neue und isolierte Land sukzessive von der Natur in Besitz genommen wird.    

Die Eiszeit wegschmelzen

Während der Eiszeit vor drei Millionen Jahren brachen die Vulkane weiterhin aus. Ihre Lava schmolz tiefe Höhlen in das ewige Eis und füllte sie mit Gestein. Nach dem Ende der Eiszeit vor 10.000 Jahren hat sich das Land stark verändert. Große Bergzüge sind aus den subglazialen Eruptionen herausgewachsen. Sie bestehen zum größten Teil aus bröckeligem Fels und erosionsempfindlichem Tuff und Rhyolit – die wunderschönen bunten Berge bei Landmannalaugar, die moosbedeckten Felsen von Þórsmörk und die grauen Bergkämme in der nordisländischen Wüstenregion. Dort wo die Eruptionen lange genug andauerten, brachen sie durch das Eis und formten oberhalb eine harte Lavakappe. Nachdem das Eis wegschmolz, blieben flache Tafelberge übrig – der Herðubreið ist der beeindruckendste unter ihnen. Die älteren Regionen Islands, der Osten, Norden und Nordwesten, erlebten während der Eiszeiten starke Erosion, als Folge entstanden hier tiefe Täler und Fjorde. Die Berge hier bestehen aus vielen Basaltlagen unzähliger Vulkanausbrüche, die einst das Fundament der Insel schufen.

Durch seine Lage auf dem Mittelatlantischen Rücken, ist Island weiterhin im Prozess des Entstehens und der Umformung, letzteres vor allem im Osten, wo Wind, Regen, Eis und See erosiv Teile des Landes hinwegnehmen, während im Westen durch vulkanische Aktivität immer wieder neue Teile entstehen.