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Zauberei aus der Fischkiste

„Sægreifinn“, der Seebaron, zeigt Ihnen, was Fisch so alles sein kann

saegreifinn iceland icelandictimesIsland kann auf eine breite Kochtradition zurückblicken, die ihre Wurzeln in der Seefahrt hat. Die Wikinger beispielsweise erfanden völlig neue Konservierungsmethoden, von denen einige bis heute üblich sind. Manche dieser Gerichte klingen nicht besonders appetitlich, um es vorsichtig auszudrücken. Und man muss schon ein bischen Courage haben, um seine Gewohnheiten über Bord zu werfen und diese Merkwürdigkeiten auf dem Teller zu probieren. Aber Island gehört eben den Mutigen – die Ängstlichen essen weiter Burger!

saegreifinn iceland icelandic timesDer Seebaron
Der frühere Fischer und Chef der Küstenwache Kjartan Halldórsson, auch bekannt als der Seebaron, war Meister der ungewöhnlichen Fischgerichte. Seine Hummersuppe etwa ist weltberühmt und wurde als weltbeste Hummersuppe gekürt. Kjartan hat zu Lebzeiten niemals das Rezept verraten, doch sein Restaurant war trotzdem jeden Tag voller hungriger Bewunderer. Im Restaurantgeschäft landete er eher per Zufall. Eines Tages stand er bei seinen Fischkisten, als ausländische Besucher ihn fragten, ob er ihnen wohl einen Fisch zubereiten würde. Kjartan witterte eine Gelegenheit. Er kaufte mal schnell einen Grill – und war im Geschäft! Die ersten Besucher wurden in das Fischgeschäft zum Essen auf Kisten eingeladen. Sein Ruf verbreitete sich wie ein Lauffeuer, und schon bald konnte er seine Kisten gegen Tische und Stühle austauschen. Er kochte ungewöhnliche Dinge und erfand Rezepte, über die noch niemand nachgedacht hatte. Er nahm alte Rezepte, die ziemlich merkwürdig klangen und kreierte daraus Gerichte, die ihn weltweit bekannt gemacht haben.
Kjartan, der echte Seebaron, ist kürzlich verstorben. Doch sein Erbe wird weiterleben, denn er hatte vor ein paar Jahren seinen Kochlöffel an die junge und energische Elísabet Jean Skúladóttir weitergegeben. Kjartan wollte sichergehen, daß sein Lebenswerk in den besten Händen ist. Elísabet habe doch eine gute Investition getätigt, liebte der Seebaron zu scherzen, schließlich sei er Teil des Deals. Sein Geist schwirrt immer noch durchs Haus, nicht nur in den Gerichten, sondern auch in Form einer Wachsfigur am Eingang.

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Essen wie auf hoher See
Kjartans Restaurant ist bei Fischern beliebt, die von Reykjavík aus viele Jahre auf hoher See unterwegs waren. Erinnerungsstücke von alten Kapitänen und ihren Familien zieren die Wände und schenken dem Haus einen ganz eigenen Charakter. Handgemachte Segelboote, Schiffsgemälde aus der Vergangenheit und ausgestopfte Vögel dekorieren den zweiten Stock, wo Gruppen bis zu 35 Personen zusammen feiern können.
efri salurEin Essen an den polierten Tischen, auf gepolsterten Fischtonnen, umgeben von den Paraphernalien der Hochsee ist eine Erfahrung, die Sie mit netten Erinnerungen und einem befriedigten Appetit nach Hause entlässt – und vielleicht sogar mit einem kleinen Schock, wenn Sie feststellen, daß Sie fermentierten Fisch gegessen haben, und daß der verdammt gut geschmeckt hat! „Moby Dick on a stick“ etwa ist Minkwal am Spieß, ein Wortspiel mit Hintergrund und zudem delikat und irgendwie auch aufwühlend – genau wie die weitere Auswahl an Fischspießen. Kabeljau, Blauling, Lachs, Forelle, Hummer und Riesengarnelen sind nur die bekanntesten Sorten. Zwischen dem 1. September und dem 30. April können Sie jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag um die Mittagszeit eine urisländische Spezialität probieren: fermentierten Fisch (Samstags skata) in frittiertem Schafstalg mit Kartoffeln und Schwarzbrot mit Butter. Als Dessert wählt der Isländer gerne grjónagrautur, ein süßes Reisgericht, welches oft mit Rosinen, Zimt und Zucker serviert wird.
Authentischer als beim Seebaron können Sie Island kaum mit allen Sinnen erfahren.
-ASF