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DIE WESTMÄNNERINSELN-HEIMAEY

Zwei Ereignisse in der Geschichte der Westmännerinseln seit der Besiedelung sind besonders schicksalhaft gewesen: der sogenannte Türkenüberfall 1627 und der Vulkanaus­bruch auf Heimaey 1973. Beide griffen tief in das Leben und treiben der Insulaner ein, und heutzutage wird der Aus­ruch 1973 häufig als Zeitwende betrachtet: man spricht von einem Ereignis als vor oder nach dem Ausbruch. – Auf dem nd oben blickt man von Elliðaey nach Heimaey – vor dem Ausbruch: links der ca 5000 Jahre alte Vulkan Helgafell, zwischen ihm und dem Strand im Vordergrund liegen Wiesen oberhalb von Urðir, in denen sich am Morgen des 23. Januar 1973 die Eruptionsspalte öffnete.  Ausserdem sieht man die Häusergruppe bei Kirkjubaer und den Teil der Stadt Vestmannaeyjar, der später unter Lava und Asche verschwand.  Rechts liegt Ystiklettur. – Links schaut man über tadt nach dem Ausbruch, das Bild wurde am 5. August 1978 von Klifið aus aufgenommen. Im Vordergrund liegt der Hafen, dahinter die Stadt, nun von aller Asche gereinigt, welche auf sie gefallen war. Neben dem alten Helgafell erhebt sich der neue Vulkan Eidfell, dessen Lava einen Teil der Stadt unter sich begraben hat. Das Erwerbsleben ist wieder in vollem Gange und die Fähre Herjólfur, welche die Insel mit dem Land verbindet, läuft gerade ein. Doch sei nun ein Blick auf die Geschichte der Westmännerinseln vor der Eruption geworfen. – Die Inseln spielen gleich zu Beginn der Besiedelung Islands eine Rolle. Das Buch der Landnehmer berichtet, dass die Sklaven des Hjörleifur, des Ziehbruders des Ingólfur Arnason, wahrscheinlich um 875 zu diesen Inseln geflohen, aber von Ingólfur und seinen Mannen dort­hin verfolgt und dort erschlagen worden seien. Seither heissen die Inseln Westmännerinseln, da die Sklaven sogenannte Westmänner, d.h. aus Irland stammend, gewesen sein sollen.vestmannaeyjar-18vestmannaeyjar-17

Die Gelehrten halten diesen Bericht nicht für authentisch. Der Name könne ebenso davon abgeleitet sein, dass West­männer, d.h. Nordleute, die in Irland gelebt hatten, sich als erste auf den Inseln niederliessen. Damit könne Herjólfur Bárðarson gemeint sein, der sich gegen 900 auf den West männerinseln angesiedelt haben soll. Es ist sicher, dass die Inseln seit Ende der Besiedelungszeit bewohnt gewesen sind. Uber die ersten Jahrhunderte ihrer Besiedelung ist aber wenig bekannt, doch wird angenommen, dass Bauern aus Südisland im Winter dorthin zum Fischen kamen und dort die Fangzeit über blieben, bevor Herjólfur Bárðarson dort seinen Hof errichtete. Die Westmännerinseln waren bis zum 12. Jh. in Bauernbesitz, dann kaufte sie der Bischof Magnus Einarsson von Skálholt, der dort ein Mönchskloster zu er richten gedachte. Dazu kam es nicht, aber die Inseln verblie ben im Besitz des Bistums Skálholt bis gegen 1500, als sie in Königsbesitz übergingen. Im 15. Jh. begannen die Engländer, Fischfang und Handel in Island zu betreiben, und bis in die Mitte des 16.Jh. waren die Inseln einer ihrer Hauptstütz punkte. – Eines der tragischsten Ereignisse in der Geschichte der Inseln war der sog. Türkenüberfall im Jahre 1627. Doch waren es nicht Türken, sondern marokkanische Seeräuber, die 300 Mann stark in die Insel einfielen, 36 der Einwohner erschlugen und 242 Männer, Frauen und Kinder verschlepp­ten, um sie in die Sklaverei zu verkaufen. Die sog. Türken erschlugen einen der beiden Pfarrer, Jón píslarvottur Þor steinsson, und führten den anderen in die Sklaverei. Die wenigen Dutzend Überlebenden hatten sich gerettet, indem sie sich in Höhlen versteckten. – Nach diesem Ereignis be­gannen schwere Zeiten für die Inseln, die trotz der Nähe reicher Fischgründe und der Möglichkeiten zum Vogelfang lange andauerten. – Doch schliesslich besserten sich die Ver hältnisse mit neuen, besseren Schiffen und Fanggeräten, und als die Ruderboote nach 1905 von Motorbooten abgelöst wurden, nahmen die Fänge zu, das Auskommen der Bewoh ner verbesserte sich und ihre Zahl wuchs. Mit der Expansion der Fischerei und der Klippfischherstellung florierten auch Handwerk und Industrie, die mit dem Fischfang verbunden sind. Ausserdem wurde der Hafen für die grössere Fische reiflotte verbessert. Doch die Weltwirtschaftskrise machte vielen schwer zu schaffen. Zu Beginn des 2. Weltkrieges sanken die Fischpreise wieder, die Klippfischherstellung wurde eingestellt, man exportierte eisgekühlten Fisch und begann mit dem Tieffrieren von Fisch. Die Westmänner insein wurden 1609 ein eigener Bezirk, 1787 wurde ihnen das Stadtrecht gewährt, das aber 1807 wieder aufgehoben wurde. 1918 erhielten sie erneut das Stadtrecht, damals wohnten dort 2000 Menschen. Die Bevölkerungszahl belief sich auf ca 5200 und das Erwerbsleben blühte, als in der Nacht zum 23. Januar 1973 die Erde aufriss und ein Vulkan­ausbruch begann.

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Oben eine Zeichnung, welche der dänische Künstler Carl Baagöe, wahr­scheinlich 1878, vom Berg Helgafell auf Heimaey anfertigte. Heimaey scheint damals nicht sehr dicht besiedelt gewesen zu sein. – Das Bild unten stammt aus der Zeit der Ruderboote auf den Westmännerinseln. Hrófin heisst der geschützte Liegeplatz, an dem die Ruderboote an Land gezogen wurden, und der Klippenvorsprung davor Nausthamar. Ganz links im Bild liegt das achtrudrige Boot Gideon, im Hintergrund Eiðið und Heimaklettur. 

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Diese Zeichnung machte Carl Baagöe vom Handelsplatz auf Heimaey, wahrscheinlich 1878. Sie zeigt den Westteil der Siedlung am Hafen mit Klifið im Hintergrund. Das langgestreckte Haus rechts von der Bildmit­te ist „Frydendal“, nach 1850 „Vertshúsið“ (das Wirtshaus) genannt. Dort wohnte damals die Dänin Ane Johanne Ericksen Wirtin, deren Mann 1847 beim Haifischfang ertrunken war. Sie heiratete später den Böttcher C.V. Roed und war danach als Madam Roed bekannt. Sie war ein Pionier des Gartenbaus und lehrte die Insulaner u.a. den Kartoffel­anbau.

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Oben ein Panorama von Heimaey nach dem Ausbruch. Das Bild wurde vom Hang des neuen Vulkans Eidfeil aufgenommen, direkt oberhalb des Mahnmals an den Pfarrer Jón píslarvottur Þorsteinsson. Die Stadt hat sich wieder aus der Asche erhoben, nachdem man diese beseitigt und die Stadt gereinigt hat. Doch ein Teil der Häuser verschwand unter dem Lavastrom in der Bildmitte. Mitten hinter der Stadt liegt Herjólfs dalur, ein kurzes Tal im Berg Dalfjall, welches eigentlich ein ca 10.000 Jahre alter Krater ist, den das Meer teilweise zerstört hat. Oberhalb des innersten Teils des Hafens, Fridarhöfn, liegt Klifið. Zwischen diesem und dem nächsten Felsen, Heimaklettur, liegt Eiðið. Rechts von Heima klettur und Miðklettur ragt Ystiklettur auf, dazwischen liegt die Bucht Vikin. Von der alten Hafeneinfahrt ganz bis zum rechten Bildrand breitet sich die neue Lava aus Eldfell aus. Im Hintergrund blickt man zum Land, Ellidaeyund Bjarnarey liegen ganz rechts.

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In der Mitte des Bildes oben und auf dem Bild links sieht man das Mahnmal an den Pfarrer Jón pisslarvottur Þorsteinsson, der von den marokkanischen Seeräubern am 17. Juli 1627 erschlagen wurde. – Im Sommer 1924 grub ein Mann im Kohlgarten von Kirkjabaer an einer Stelle, an der früher eine Kapelle gestanden hatte. Dort fand er einen behauenen Stein mit einer Inschrift. – Eine exakte Kopie dieses Steins wurde als Mahnmal an Jón Þorsteinsson bei Kirkjubær auf Heimaey aufgestellt, dort wo er Pfarrer gewesen und der Stein gefunden worden war. Als der Lavastrom auf Kirkjubær zufloss, wurde der Stein von ihm gerettet und später auf neuem Sockel auf der Lava wieder aufgestellt, genau über der Stelle, an der er früher stand, nur um die Dicke der Lavaschicht gehoben.

Unten Aufnahmen von Bohrungen in der Eldfell-Lava, die noch wäh­rend des Ausbruchs angestellt wurden, links der Bohrturm und in der Kiste rechts Bohrkeme. Diese Bohrungen gaben Aufschlüsse über den Einfluss der Wasserkühlung auf das Erstarren der Lava. Es stellte sich heraus, dass diese in geringer Tiefe noch rotglühend war, dass es aber einen grossen Unterschied machte, ob Meerwasser zur Abkühlung an der betreffenden Stelle auf die Lava gepumpt worden war oder nicht. Um den Transport mit Lastwagen zu ermöglichen, wurden mit Bulldo¬zern Wege über die noch glühende Lava gelegt und instandgehalten, ob¬wohl die Lava weiter floss. Man verwandte Asche als isolierenden Strassenbelag.

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Auf Heimaey wurde nach dem Ausbruch ein stattliches Gebäude für die Bibliothek, die Kunstsammlung und das interessante Heimatmu­seum der Westmännerinseln errichtet. Der Initiator dieses Museums ist Þorsteinn Viglundsson, der ehemalige Rektor der Realschule und Sparkassenleiter der Westmännerinseln, welcher dort seit 1932, 46 Jahre lang, alte Gegenstände gesammelt hat. Diese haben jetzt in dem Gebäude in Stakkagerðistún ein bleibendes Zuhause gefunden. Der Ausstellungssaal des Heimatmuseums der Westmännerinseln, überden man auf dem Bild rechts blickt, wurde am 15. April 1978 eingeweiht. – Oben ein Modell der Schanze, Skansinn, auf Heimaey im Jahre 1844. Die Befestigungsanlage liegt links, die Kaufmannshäuser sind rechts. Im 15. Jh. und bis in die Mitte des 16. Jh. betrieben die Engländer Han­ 384 del und Fischfang auf den Westmännerinseln. Im Jahre 1552 begann der dänische Monopolhandel dort und damit eine 50-jährige Periode des Unfriedens mit den Engländern. Im Frühjahr 1586 sandte der dänische König einen dänischen Marineoffizier auf die Westmänner­inseln, der dort vor dem Hafen Befestigungen anlegen und 6 Kanonen aufstellen sollte, mit denen die Übergriffe der Engländer auf den Handel und die Fischerei abgewehrt werden sollten. Die Befestigung nutzte nichts beim Überfall der marokkanischen Seeräuber, da diese im Süden von Heimaey an Land gingen. Sie wurde in den Jahren 1630 1638 erneuert. – Unten eine Kanone aus der Zeit des Überfalls, die im Hafen von Heimaey gefunden wurde. Solche wurden damals au nordafrikanischen Seeräuberschiffen benutzt.

 

Oben ein Luftbild, welches das Isländische Geodätische Institut am 31.3.1973 von der neuen Lava aus Eidfell auf Heimaey aufnehmen Hess. Auf ihm sind einige Ortsnamen vermerkt, u.a. Skansinn, wo früher die Befestigungen waren (s.S.384); diese Stelle ist jetzt fast vollständig unter Lava verschwunden. Auf der Aufnahme sind noch viele Häuser unter Asche begraben, die aber später ausgegraben und wieder aufgebaut wurden. Durch die Abkühlung der Lava mit Meerwasser gelang es zu verhindern, dass die Hafeneinfahrt vom Lavastrom geschlossen wurde, und der Hafen ist heute bedeutend besser geworden als zuvor, da nun dort ein langer Fjord entstanden ist, wo früher die Brandung oft sehr stark war.

Der Ausbruch, der in der Nacht zum 23. Januar 1973 um 01:55 östlich auf Heimaey begann, brach ohne Vorwarnung und unerwartet über die Insel herein. Man hatte dort zqar am Abend vorher seit 21:00 leichte Erdbeben verspürt, doch kam ein stärkerer Erdbebenstoss erst um 01:40, kurz vor Beginn der Eruption. Dann riss die Erde auf, nur 200 m vom Hof Kirkjubær, dem östlichsten Teil der Siedlung, entfernt. Augenzeugen in den Häusern dort berichteten, dass der Beginn wie ein Feuer im trockenen, vorjährigen Gras angemutet habe, als Feuer erst an einer Stelle in der Wiese aufloderte. Doch dann riss die Erde nach beiden Seiten hin auf. Bald hatte sich eine 1600 m lange Eruptionsspalte geöffnet, vom Ende des Flugplatzes in der Inselmitte nach Norden durch Urðir und bis ins Meer in Richtung auf die Hafeneinfahrt bei Ystiklettur. Nie zuvor hatte in der Geschichte Islands ein Vulkanausbruch so nahe bei einer Ortschaft begonnen. Das Bild oben rechts wurde vor der Morgendämmerung am 23. Januar 1973 bei Kirkjubær kurz nach Beginn der Eruption aufgenommen. Vor dem Haus steht das Mahnmal an Jón Þíslarvottur, am Wiesenrand im Hintergrund ist die Spalte durchgehend aktiv. Das Bild unten wurde ungefähr zur gleichen Zeit aufgenommen, von Skansinn aus sieht man die Spalte hinter den Häusern von Kirkjubær, eine 1600 m lange, ungebrochene Wand feuriger Fonänen. Lava begann sofort auszuströmen und floss an einer Stelle in meer hinab. Die Bewohner des östlichen Stadtviertels wurden vom Getöse der Eruption geweckt, reagierten schnell, kleideten sich und benachrichtigten die Polizei und die Nachbarn. Das Glück wollte es, dass die Fischereiflotte der Insel im Hafen lag, wo sie am Tage zuvor Schutz vor einem zum Hafen, un die meisten wurden von dort auf Fischereifahrzeugen nach Þorlákshöfn gebracht, um 300 aber murden mit Flugzeugen nach Reykjavík transportiert. Diese Evakuierung von gut 5000 Menschen ging sehr gut vonstatten und war bereits am gleichen Morgen abgeschlossen. Zurück blieben nur 200-300 Mann, de ihren Pflichten dort weiter nachzugehen hatten. An diesem ersten Morgen des Ausbruchs war das Wetter gut, auch wenn die See rauh war und viele daher seekrank wurden auf der Überfahrt nach Þorlákshöfn, von wo aus dann Busse die Insulaner nach Reykjavík brachten.

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Oben links blickt man – vor dem Ausbruch – vom Helga fell über die Häusergrup­pe bei Kirkjubaer, den östlichsten Teil der Siedlung auf Heimaey, und über die Wiese, in der sich am Morgen des 23. Januar 1973 die Eruptionsspalte öffnete. Der Strand östlich und unterhalb von Kirkjubær heisst Urðir, dort stand der Leuchtturm Uröaviti. Links im Bild Ystiklettur und die Hafeneinfahrt. Rechts im Bild sieht man Elliðaey und im Hintergrund die Südküste Islands, Hekla und den Eyjafjallajökull. – Das Bild oben rechts wurde am ersten Tag der Eruption an der gleichen Stelle aufgenommen wie das Bild daneben. Die Wiese ist schwarz von Asche und die Eruptionsspalte geht bis ins Meer. Elliðaey liegt rechts hinter der Rauchsäule. Alle Häuser auf diesem Bild verschwanden später unter dem Lava­strom, der über Kirkjubaer nun ca 100 m dick ist (s. S. 382). – Die Aufnahme unten links, bei Kirkjubær am ersten Tag des Ausbruchs gemacht, zeigt, dass längs der Spalte bereits Kraterkegel entstehen. Im Hintergrund rechts hinter der Rauch­säule liegen Elliðaey und Bjarnarey. – Unten rechts ist zu sehen, wie die Spalte hei Urðir bis ins Meer reicht, sie ist in ihrer ganzen Länge aktiv, und wo Meerwasser an das Magma gelangt, zerspratzt es und wird zu Tephra. Hinter der Rauchwolke erkennt man Bjarnarey. – Auf dem Bild auf der rechten Seite blickt man am Morgen des ersten Eruptionstages die Spalte entlang, die Sonne bescheint den oberen Teil der Eruptionswolke, während die Kraterreihe im Schatten liegt. Der Kraterrand in der Mitte der Spalte wird hier durch den Druck des glühenden Magmas im Krater zur Seite geschoben. Im Hintergrund liegt Elliðaey.

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Im Hafen der Westmännerinseln war zu Beginn des Ausbruchs viel zu tun, als Möbel, Haushaltsmaschinen und andere Gegenstände auf Fi­schereifahrzeugen und Frachtern zum „Festland“ verschifft wurden, um dort für die Dauer der Eruption aufbewahrt zu werden (Bild links).  Oben blickt man am 19. Februar 1973 von Helgafell über die Hafen einfahrt, Heimaklettur und Ystiklettur. Damals hatte Lava bereits den Ostteil des Ortes unter sich begraben, vom 18. März bis zum 4. April flössen Lavaströme nach NW über die Stadt und kamen am Hafen bei der Fischfabrik Fiskiðja zum Stillstand. – Unten links der Leuchtturm Urðaviti, der gleich zu Eruptionsbeginn unter Lava verschwand. Unten fliesst Lava über den Strand bei Urðir ins Meer. – Auf dem Bild auf der rechten Seite fliesst der Lavastrom ins Meer. Dort konnte man auf der erstarrten Lavafront stehen und photographieren, während unter ihr fast 1200° heisse Lava hervor und ins Meer floss.

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vestmannaeyjar-21Während des Höhepunktes der Eruption wurde glühende Lava weit über die Stadt geschleudert und setzte Häuser in Brand, wenn die Lava­bomben durch die Fenster flogen. Hier links brennt ein prächtiges, al­tes Haus am 28. Januar 1973. Die glühenden Lavafetzen wurden hoch in die Luft geschleudert und fielen auch auf die Stelle, an der dieses Bild aufgenommen wurde. Wenn der Lavaregen zu stark wurde, galt es, sich und den Photoapparat hinter der nächsten Wand in Sicherheit zu bringen. Wenn die faustgrossen Brocken auf den Schutzhelm fielen und zerbersteten, sah man, dass sie innen noch rotglühend waren, auch wenndie Bombe nach ihrem langen Flug aussen bereits schwarz war. Wo man Licht in den Häusern sieht, sind die Bewohner dabei, ihre wertvollsten Besitztümer zusammenzupacken und an Land zu retten. – Die Aufnah­me oben wurde abends am 23. März 1973 vom Hang des Klifið über den Hafen gemacht, wo Kapelin angelandet wird und dessen Verarbei­tung zu Fischmehl in vollem Gange ist, obwohl Eldfell Feuer über seine Umgebung speit. Nun hat sich die Eruption auf eine Stelle konzentriert und begonnen, einen Berg (Eidfell) ungefähr in der Mitte der Spalte aufzubauen.vestmannaeyjar-32

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Am Abend des 22. März schob sich eine ca 300 m breite Lavazunge fast 150 m weit in die Stadt hinein. Bis zum 4. April wurden an die 200 Häuser von der Lava verschlungen, die starkgebaute Steinhäuser auf ihrem Weg zer­brach und Holzhäuser in Brand setzte, die sie manchmal sogar vor sich her­schob. Oben auf diesen beiden Seiten zeigen vier Aufnahmen dasselbe Haus, von dem Augenblick an, an dem es von der heranrückenden Lava in Brand gesetzt wird, bis zu seinem Ende als ausgebrannte Buine.Links liegen Hausruinen an der Lavafront, und ganz rechts hat die Lava ein weiteres Haus in ihrem Weg in Brand gesetzt. – Während des Ausbruchs auf Heimaey gab es die ganze Zeit den notwendigen elektrischen Strom in der Stadt. Das Unterseekabel, welches Elektrizität vom Land bringt, wurde zwar am 6. Februar 1973 durch submarine Eruptionstätigkeit bei Ystiklettur unterbrochen, doch wurde dann der 4000 KW Dieselgenerator in der Stadt eingesetzt, bis die Station selber am 25. März von der Lava verschlungen wurde. Danach versah eine kleine Dieselstation in der Fischmehlfabrik im Westhafen die Stromversorgung. Die grössere der beiden Wasserleitungen, durch die Süsswasser vom Land fliesst, wurde zusammen mit dem Strom­kabel unterbrochen, da aber die kleinere Leitung intakt blieb, gab as weiter­hin Süsswasser auf Heimaey.

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Die Motive auf isländischen Briefmarken sollen oft das Land be­kannt machen oder an Ereignisse in der Geschichte des Landes und des Volkes erinnern. Diese Briefmarke vom Ausbruch auf Heimaey 1973 ziert eine Photographie, die der Autor am 23. März 1973 vom Hang des Klifið aufgenommen hatte und die den Blick über den Hafen nach Eldfell und HelgafeU zeigt, vgl. das Bild S.393.

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Auf dem Bild rechts ragt der neue Berg Eldfell über den Häusern der Stadt auf. Obwohl hierein Teil der Stadt am 17. Februar 1973 unter Asche begra­ben wurde, stehen diese Wohnhäuser noch unbeschädigt. Auf dem unteren Bild, vom 23. März 1973, hat die heranrückende Lava begonnen, eben diese Häuser zu zerstören, sie schob sie vor sich her, zerdrückte sie dann und setzte sie manchmal in Brand. – Unten verschwinden die letzten Hauser des Stadtteils bei Skansinn unter dem Lavastrom, der vorstösst und sie vor sich herschiebt. Auf dem Bild rechts blickt man am 28. Januar 1973 von der Stadt zum Eldfell.

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Das Luftbild links wurde am 7. April 1973 über Heimaey aufgenom­men. Damals war Lava über den östlichen Teil der Stadt geflossen. Zu Beginn des Ausbruchs hatte man versucht, die Stadt zu schützen, indem man Dämme aus Tephra aufwarf und Meerwasser mit Feuerwehrsprit­zen auf die Lavafront dahinter pumpte, um die Lava abzukühlen und damit ihr Vorrücken zu verhindern. Dieses schien einige Wirkung zu haben, doch war die Wassermenge zu gering, und es war erst auch nicht möglich, Kühlwasser bis auf die Lava zu leiten. Als der Lavastrom Ende Februar die Mole an der Hafeneinfahrt erreicht hatte, wurde am 1. März das Pumpschiff Sandey eingesetzt, um Meerwasser auf die Lava zu pumpen. Ende März wurden dann 43 Pumpen, die man aus den USA erhalten hatte, installiert, deren Leistung 800-1000 l/Sek und Hebe­vermögen ca 100 m bei einer Rohrlänge von 1000 m war. Danach wurde es möglich, Meerwasser in die Lava hineinzupumpen. Insgesamt wurden ca 6,2 Millionen Tonnen Meerwasser auf die Lava gepumpt und Bohrungen an fünf Stellen zeigten, dass diese Kühlung beträcht­lichen Einfluss auf das Erstarren der Lava und damit auf ihr Vorrücken hatte. Das auf die Lava gepumpte Wasser enthielt ca 220 Tausend Tonnen Salz. – Oben stehen Pumpen auf dem Kai Bäsaskersbryggja im Hafen von Heimaey, unten zieht ein Bulldozer zwei Plastikrohre, die sich für diese Aufgabe als am besten geeignet gezeigt hatten, auf die sich voranschiebende Lava. Oben rechts wird Meerwasser auf die Lava­front an der Hafeneinfahrt gepumpt und unten rechts sieht man einige Leitungen in der Lava liegen und Dampf beim Zusammentreffen von Wasser und Lava aufwallen.

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Vor dem Ausbruch überragte diese Fahnenstange ein Ein familienhaus, hier aber ragt ihre Spitze allein aus der schwarzen Asche auf. Unter den Unebenheiten liegen Wohnhäuser, nun unter einer viele Meter dicken Aschenschicht begraben. – Gleich nach Ende der Eruption begann man, die Stadt wieder aus der Asche auszugraben und zu reinigen, mit Aus­nahme der Häuser, die nun unter Lava lagen. Auf dem Bild oben gräbt man den Friedhof aus, rechts die Häuser an der Strasse Helgafells­braut. Unten rechts steigt das Haus Helgafellsbraut 21 aus der ko­chendheissen Asche auf und unten bemüht sich eine Familie, den Ra­sen vor ihrem Heim von Asche zu befreien. Im Hintergrund steigt noch immer Rauch aus Eidfell auf und man hat noch nicht die Wellblechplat­ten von den Fenstern entfernt, die zum Vulkan gehen. So wurden Fen­ster während der Eruption gegen glühende Lavabomben geschützt, die viele Häuser in Brand setzen, wenn sie durch nicht vernagelte Fenster schlugen.

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Oben links ist zu sehen, wie der Lavastrom an dem Gebäude der Fiskiðja am Strandvegur beim Hafen zum Stillstand kam und einen Teil des Hauses zerbrach. Dieser Teil der Lava wurde später von der Strasse entfernt. Unten links der Rest eines Hauses, das der Lavastrom zerbro­chen und vor sich hergeschoben hatte.Rechts blickt man über die von Asche verhüllten Teile der Stadt auf den Westmännerinseln. Nur die Schornsteine der Häuser ragen aus der Asche auf. Oben eine Aufnahme des Hauses, das auf dem Bild rechts im Vordergrund liegt, nachdem es zum grössten Teil ausgegraben worden war. – Unten sieht man einen Teil der Anlagen der Lavafemheizung. Diese nutzt die Hitze in der neuen Lava: Wasser wird in einem Leitungsnetz durch die Stadt und durch Rohre gepumpt, die man in der Lava verlegt hat und die von oben isoliert sind. Es wird angenommen, dass die Hitze der Lava ausrei­chen wird, die Stadt 15-20 Jahre lang zu beheizen.

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„Ich lebe und ihr werdet leben“steht über der Friedhofspforte auf Hei- maey. Diese Worte kamen vielen nicht aus dem Sinn, während Eidfell Asche und glühende Lava auf die Stadt regnen lies s. Auf dem Bild links sieht man im Hintergrund das feuerspeiende Eidfell und die unter schwarzer Asche verschütteten Grabstellen auf dem Friedhof. – Doch die Worte auf dem Torbogen wurden wahr. Auf dem Bild oben ist der Friedhof gereinigt worden und die Skulptur „Aida aldanna“ („Woge der Jahrhunderte“) von -Binar Jónsson ist westlich des Friedhofes aufge­stellt worden. Unten die neue Schwimmhalle der Westmännerinseln, die mit Spendengeldern errichtet wurde an Stelle des Schwimmbades bei Skansinn, das unter der Lava verschwand.

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Dieses Bild mag paradox scheinen, ist aber echt. Der Lavastrom kam an der Trottoirkante zum Stillstand. Die Häuser an der Strasse sind unter der Lava verschwunden, doch der Laternenpfahl steht noch immer am Strassenrand, einsam und scheinbar völlig zwecklos, es sei denn als Mahnmal daran, dass hier einmal das Heim tüchtiger Insulaner stand, bevor sich die Erde öffnete und begann, Feuer und Asche zu speien.

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Diese Statue eines Engels steht auf ei­nem Grab im Friedhof von Heimaey. Die Asche reichte ihm bis zu den Knien, bevor man mit der Reinigung der Stadt begann. Auf dem Bild rechts, aufgenom­men, nachdem der Friedhof gesäubert war, ist zu erkennen, wie dick die Aschenschicht dort gewesen war. Der Engel steht auf dem Grab der Theodora Þ. Jónsdóttir aus Gardur auf den West­männerinseln, die im Alter von 22 Jah­ren starb (geb. 26. Dez. 1906, gest. 26. Mai 1928), der Tochter des Ehepaares Jön Hinriksson und Ingibjörg M. Theo- dórsdóttir in Gardur, die in der glei­chen Grabstelle ruhen. Im Hintergrund die Kirche Landakirkja.

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vestmannaeyjar-32verbessert. Die Hafeneinfahrt ist jetzt wie ein Fjord und die Mo­len, die ihn vordem gegen die schlimmste Brandung schützten, liegen nun geschützt gegen Sturm aus jeder Himmelsrichtung. Es wird angenommen, dass die Kühlung der Lava beträchtlich dazu beigetragen habe, dass die Einfahrt nicht völlig geschlossen wur­de. Das Bild links wurde auf der neuen Lava gegen­über Heimaklettur aufgenommen. Die Fähre Herjólf- ur, die zwischen Þorlákshöfn und den Westmänner­inseln verkehrt, läuft gerade aus, im Hintergrund lie­gen der Hafen und Klifið. In dem neuen Lavastrom haben sich sandige Buchten gebildet. Oben rechts fährt Herjölfur durch die neue Hafenmündung zwi­schen Ystiklettur und dem Lavastrom, im Hinter­grund liegt Elliöaey. – Unten rechts steht das Denk­mal Þörsminnismerki, das nach dem Ausbruch zur Erinnerung an das erste Rettungs- und Küstenwach­boot der Westmännerinseln hinter Friðarhöfn unter­halb von Klifið errichtet wurde. Im Hintergrund Fi­schereifahrzeuge in Friðarhöfn und der Heimaklet­tur.

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Von oben auf Klifíð aus sieht man in der Bildmitte den Strandwall Eiðið, der die Felsen Klifið und Heimaklettur verbindet. Links liegt Faxasker und im Hintergrund der Eyjafjallajökull. Rechts liegen die neue Lava und die Hafenmündung, wie sie sich nach dem Ausbruch darbieten. Hinter Heimaklettur erkennt man einen Teil von Elliðaey und Bjamarey.

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Heimaey ist die einzige der 15 Inseln der Westmännerinselgruppe, wel­che besiedelt worden ist. Ausserdem liegen dort ca 30 kleinere Inseln und Schären. Die kleineren Inseln und Klippen sind eine Welt für sich: sie sind fast alle schroffe Felsen, die in Vulkanausbrüchen aus Palago- nittuff aufgebaut wurden. Die meisten sind oben grasbewachsen, auch wenn viele sehr steil sind. Das Einsammeln von Eiern und Fangen von Vögeln, v.a. von Papageitauchern, ist seit jeher auf den Inseln betrieben worden. Auf den grösseren Inseln stehen Häuser oder Hütten für die Vogelfänger, und im Sommer herrscht dort fröhliches Treiben. Einige der Eilande sind nur bei günstigem Wetter zu erreichen, und wenn man dort an einem Klippenvorsprung angelegt hat, muss man oft fast senk­rechte Tuffwände hinaufklettern, um oben auf die Inseln zu gelangen. Doch sind in vielen dieser Felswände Seile ober Kabel und Bolzen an­gebracht worden, die den Aufstieg sehr erleichtern. Links ein Bild von Hellisey. Der Landeplatz ist unten links, von dort führt ein Fusspfad schräge Absätze im Tuffelsen zu der Hütte oben rechts hinauf. Zwei Männer sind auf diesem Pfad unterwegs. Im Hintergrund liegen Brand- ur und Álfsey. – Oben blickt man von Hellisey nach Súlnasker (links) und Geldungur. Ein Schlauchboot kommt zu Besuch nach Hellisey, die Klippe unter der Felsnase ist der zweite Landeplatz auf Hellisey, von dem der Aufstieg dann hinter dem Felsvorsprung im Vordergrund liegt. Das Bild rechts wurde in Elliðaey aufgenommen. Dort haben sich Mä­ner zum Eiersammeln im Vogelfelsen abgeseilt.

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Dieses Bild einer Trottellummenkolonie wurde auf Geldungur aufgenommen. Dort sitzen die Trottellummen und Ringellummen (eine Abart der Trottellummen) so dichtgedrängt, dass es schwer ist, dort zu gehen, und die Vögel sind gar nicht scheu, da der Aufstieg dorthin so schwer ist (s.o. auf der nächsten Seite). Im Hintergrund liegen links Álfsey und Brandur, dann Heimaeyund Helliseyund dahinter Suðurey.

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Hieroben ist der Weg auf Geldungur hinauf zu sehen, auf dessen Spitze das Bild oben links aufgenommen wurde. Der Landeplatz ist bei dem Felsausläufer rechts auf dem Bild oben. Von dort geht es dann schmale Felsabsätze hinauf zu dem Vorsprung, wo der Mann steht. Auf diesem Weg kann man nichts mit sich tragen, daher müssen Gepäck und Pro­viant an einem Seil aus dem Boot hochgehievt werden. – Unten Papagei­taucher auf einer der unbewohnten Inseln. Der Papageitaucher ist ein amüsanter und farbenprächtiger Vogel, aber ein unbeholfener Flieger. Das Fangen von Papageitauchern war früher ein wichtiger Erwerbs­zweig der Insulaner. Ebenso das Eiersammeln, zu dem man sich in den Vogelklippen abseilte und v.a. Trottellummeneier einsammelte. Papa­geitaucher werden noch immer viel während der 4—5-wöchigen Fang­zeit im Juli bis Anfang August gefangen. Auch wenn der Fang weiterhin gegessen wird, betrachten viele das Vogelfängen heute vor allem als Sport. Für viele der Vogelfänger, die Jahr für Jahr einige herrliche Sommerwochen auf den Vogelinseln verbringen, ist der Fang nicht mehr Hauptsache, sonder der Aufenthalt im Freien und die Unge­bundenheit an Tageszeiten.

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Oben fliegen Basstölpel und sitzen in den Felsen von Hellisey, auf de­ren oberster Kante einige Papageitaucher zu sehen sind. Basstölpel sind würdevolle Vögel und werden von manchen als die Herfen des Atlantiks bezeichnet. Sie nisten ausser auf Eldey vor Reykjanes (vgl.S. 158) auch auf vier der Westmännerinseln. Im Hintergrund die Klippe Brandur, die, von Hellisey gesehen, genau vor Álfsey liegt.


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1874 wurde die Hauptfeier zum Gedächtnis der lOOO jährigen Besiedelung Islands in Þingvellir veranstaltet, damals besuchte König Christian IX Island und überreichte formell dessen neue Verfassung. Vielerorts im Lande begingen die­jenigen, die nicht nach Þingvellir kommen konnten, lokale Jubiläumsfeiern. Die Bewohner der Westmännerinseln hiel­ten ihre lokale Nationalfeier am 2. August 1874 im Herjölfs- dalur. Sie war besser besucht als erwartet, da schlechtes Wetter die Überfahrt zur Hauptinsel verhindert hatte. – Im Herjólfsdalur soll der erste Siedler auf den Westmänner­inseln, Herjólfur Bárðarson, seinen Hof errichtet haben. Herjólfsdalur ist die Ruine eines altes Vulkans, den das Meer nach Süden hin geöffnet hat. Auf drei Seiten wird es von hohen Klippen, Kraterwänden, umgeben, die unten in Schutthalden und grüne Hänge übergehen. In der Talmitte liegt ein Teich am Kraterboden. Am 2. August 1874 gegen Mittag hatten sich dort 400 Menschen versammelt, man hatte Zelte errichtet und den sog. Grabhügel des Herjölfur mit Fahnen geschmückt. Nachdem man gegessen und Kaffee getrunken hatte, begannen einige der Anwesenden zu tanzen, während andere sangen, und man blieb bis gegen Mitter­nacht im Tal und vergnügte sich im guten Wetter. – Diese Feier 1874 im Herjölfdalur schien allen so gut gelungen, dass dort seither alljährlich ein Volksfest – eine Nationalfeier – veranstaltet wird. Die Sportvereine Þór und Týr wechseln sich als Veranstalter ab. Heutzutage dauert die Nationalfeier drei Tage im grünen Tal des Herjölfur, wo man eine regel­rechte Zeltstadt errichtet. Die Stadtbewohner ziehen in den ersten Tagen des August mit Sack und Pack in die mit Tischen, Stühlen, Bänken und Schränken eingerichteten Zelte, in denen die Familien in den Pausen zwischen den Programmpunkten ihre Mahlzeiten einnehmen und einander besuchen. Das Tal ist schön geschmückt und abends kunst­voll beleuchtet, es hallt von Musik und Gesang wider, welche von den Felswänden verstärkt zurückschallen, Theaterauf­führungen werden geboten und natürlich wird getanzt. – Ein Programmpunkt ist immer besonders eindrucksvoll: Ein Kliffkletterer seilt sich weitausschwingend von der Kliff­kante des Fiskahellanef in das Herjölfsdalur ab (Bild links). Am ersten Tag der Nationalfeier wird um Mitternacht ein grosser Scheiterhaufen auf der Klippe Fjösaklettur angezün­det, dessen roter Schein dann über die grünen Flächen und die Kraterwände, die Zelte und die Menschenmenge im Tal flackert. Ein prächtiges Feuerwerk beschliesst die National­feier und die Prunkraketen werfen einen abenteuerlichen Schimmer über das Herjölfsdalur, diesen seltsamen Fest­platz bei einem alten Krater, in dem einmal glühende Lava hoch in die Luft geschleudert wurde, Jahrtausende bevor Menschen nach Island kamen. Heutzutage geniesst man dort die Pracht der Raketen, doch ist in allen Zuschauern noch die Erinnerung an das furchterregende Feuerwerk aus dem Eldfell wach, das so schicksalhafte Folgen für die Bewohner der Westmännerinseln gehabt hat.

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